Veröffentlichungen

Karl Klingler

Gedanken seines Enkels Michael Klingler (Juli 2007)

Der Geiger Karl Klingler wurde 1879 geboren. Als Sohn des Bratschers Theodor Klingler in Straßburg entwickelte sich sein geigerisches Talent sehr schnell. Er studierte bei Josef Joachim in Berlin und wurde früh mit der über Joachim zurückgehenden Tradition des Quartettspiels bekannt. Zeit seines Lebens war er besonders den großen Komponisten, Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms verbunden.

Zur Aushilfe spielte er als junger Mann im Joachim-Quartett die Bratsche. In Berlin erhielt er eine Professur für das Fach Geige an der Hochschule für Musik. Er komponierte in unterschiedlichen Stilen. Sein Violinkonzert E-dur, 1907 uraufgeführt, lässt Verwandtschaft zu Mendelssohn ebenso wie zu Bruch erkennen. Neben der Komposition pflegt er mit Leidenschaft das Quartettspiel und begründete das Klingler Quartett, das insbesondere vor dem 2. Weltkrieg auf allen großen Bühnen der Welt gefeiert wurde.

Das Klingler-Quartett

1905 gründete Karl Klingler als erster Geiger das Klingler-Quartett: Josef Rywkind (2. Violine), Fridolin Klingler (Bratsche) und Arthur Williams (Violoncello). Durch den 1. Weltkrieg wird das Wirken des Quartetts unterbrochen. Später setzt Klingler die Tradition des Klingler-Quartetts fort. Am Cello saß in der nationalsozialistischen Zeit der Jude Ernst Silberstein, der emigrieren musste. Wegen eines Streites mit den Nationalsozialisten um die Büste des hochverehrten Lehrers Josef Joachim an der Hochschule für Musik in Berlin, der ebenfalls kein Arier war, und weil er ohne Silberstein nicht auftreten wollte, löste Karl Klingler das Quartett auf und zog sich resignierend zurück. Alle Neuanfänge nach dem Krieg reichten nie wieder an die Tradition vor dem Krieg heran. Klingler war bei Kriegsende immerhin 66 Jahre alt. Er starb im hohen Alter von 93 Jahren am 18. März 1072 in München. Karl Klingler war mit Margarethe von Gwinner verheiratet. Der Ehe wurden vier Kinder geboren: Arthur, Wolfgang, Marianne (+) und Charlotte.

Die Karl Klingler-Stiftung

Anlässlich des 100. Geburtstags von Karl Klingler 1979 gründete Marianne Migault Klingler die Karl-Klingler-Stiftung in München. Ehrenpräsident der Stiftung wurde Wilhelm Kempff.

Die Stiftung sollte die Aufgabe haben, in enem sich rasant entwickelnden Jahrhundert, die Erinnerung an die alten Quartett-Tradition in Europa wachzuhalten und insbesondere junge Quartette zu fördern. So wurden in unregelmässigen Abständen internationale Wettbewerbe veranstaltet. Unter vielen Preisträgern war auch das später zu großer Bekanntheit gelangte Cherubini-Quartett, dessen Primarius, Christoph Poppen, bis heute engagiert dem Kuratorium der Stiftung vorsteht und das Geschick der Stiftung maßgeblich leitet.

Durch Stipendien, Unterstützung des Bundeswettbewerbes „Jugend musiziert“ und seiner Preisträger, durch Förderpreise und eine reichhaltige Kukrsarbeit hat sich die Karl-Klingler-Stiftung einen Namen gemacht. Die Mitwirkung an der Schubertiade in Schwarzenberg ist Mittelpunkt der Kursarbeit geworden. Zuletzt vergab die Stiftung ein Stipendium an das französische Streichquartett Quatuor Ebène, das beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2004 den ersten Preis gewann. Auch 2008 wird die Klingler-Stiftung mit einem Stipendium für Streichquartett am ARD-Wettbewerb in München beteiligt sein.

Karl Klingler, Vom Rhythmus

in: Klingler, Karl: Über die Grundlagen des Violinspiels und nachgelassene Schriften
Hrsg.: Klingler Marianne, Hildesheim 1990.

„So bezeichnet die Weisheit der Griechen das vielleicht höchste Geheimniss aller Kunst mit Rhythmus (zu deutsch: Fluss, fließen) ….
Mit dem Begriff Fluss (Rhythmus) wird ein gesetzmäßiger Vorgang bezeichnet: Wasser folgt der Schwerkraft und strebt talwärts, in unterschiedlicher Weise je nach Menge und Gelände.
….. Im übertragenen Sinn spricht man im Versbau von Hebung und Senkung, von schwer und leicht in der Musik. Durch die rhythmische Linienführung befriedigen uns Maler und Bildhauer bei der Betrachtung ihrer Werke wie auch die Natur beim Anblick eines Gebirgszuges, wenn unser Blick über die Gipfel gleitet. Die Natur ist die größte Künstlerin.
Raum und Zeit sind im Rhythmus vereint, räumliche und zeitliche Kunst berühren sich in Ursprung und Wirkung. Eine alles durchdringende, gestaltende Gesetzmäßigkeit liegt jeder Kunst zugrunde, auch dem Wechsel als dem einzig Beständigen, der Voraussetzung für jedes Kunstschaffen und seinem Genuss. …. “

Ein Nachwort und eine Bitte von Michael Klingler

Seit dem Tode von Marianne Klingler im Jahre 1993 habe ich, Michael Klingler, als Enkel und Mitglied des Kuratoriums die Ehre, Vorsitzender einer solch liebenswerten Stiftung zu sein. Ich habe seit dem unter den Mitgliedern des Kuratoriums viel Herzlichkeit und Freundschaft erfahren. Mein Dank gilt: Ruth Petersen, den Professoren Franz Beyer, Christoph Poppen, Eberhard Feltz, Hariolf Schlichtig, Alice Schoenfeld sowie Dr. Gerd Berg, Dr. Rüdiger von Canal, Karl Wolfgang Klingler und Prof. Dr. Hermann Linde. Die Zusammenarbeit und das Zuhören hat mich zusammen mit meiner beruflichen Tätigkeit als Gemeindepastor in Bremen der Tradition meines Großvaters sehr viel näher gebracht. Ich danke insbesondere für die vielen reichen Gespräche mit Prof. Franz Beyer, in denen ich den Geist der Joachim-Klingler-Tradition sehr deutlich verspürte.

Liebe Leserin, lieber Leser!
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Landschaft der Stiftungen reicher geworden, gleichzeitig ist der Handlungsspielraum unserer kleinen Karl-Klingler-Stiftung stets kleiner geworden. Ich würde mich sehr freuen und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie unsere Arbeit für die jungen Streichquartette mit einer Spende unterstützten. Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenquittung.

Ich grüße Sie herzlich,
Bremen im Juni 2007 Michael Klingler

Über die Grundlagen des Violinenspiels